Stadtrat lehnt MVV-Tarifreform ab und fordert deutliche Nachbesserungen

Freitag, 03. August 2018

Liebe Unterschleißheimerinnen und Unterschleißheimer,

der MVV hat vor Kurzem die Eckdaten der Tarifreform ab Juni 2019 bekanntgegeben. Kerninhalt der Reform ist die Einführung von insgesamt 7 Zonen mit einer Kernzone M, wodurch das bisherige Ring- und Zonensystem abgeschafft wird. Dies stellt sicherlich einen Beitrag zur Vereinfachung des bisher komplizierten Tarifsystems dar. Das ist aber schon das einzig Gute an der Reform für Unterschleißheim. Denn das Ziel der Reform sollte es sein, die Akzeptanz des Personennahverkehrs im Landkreis und der Region zu steigern. Nach meiner Ansicht und nach einstimmiger Bestätigung des Stadtrates wird dieses Ziel jedoch leider nicht für unsere Stadt erreicht.
Die beiden S-Bahn-Haltepunkte Unterschleißheim und Lohhof liegen im neuen System in der Zone 2, also zwei Zonen außerhalb der neuen Kernzone M. Die Stadt hat eine Prüfung der Tarifänderungen durchgeführt und zahlreiche Vergleiche zu den Preisveränderungen zu verschiedenen Fahrstrecken gezogen. Die daraus resultierende Zuordnung unserer beiden S-Bahnhöfe zur Tarifzone 2 ab Juni 2019 hat nach dem neuen Tarifmodell zum Teil erhebliche preisliche Verteuerungen auf die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs im MVV.
Vor allem die Wegstrecken zwischen Unterschleißheim und dem Münchner Norden erfahren durch die Tarifreform deutliche Preissteigerungen. Beispielsweise würden Pendler zwischen dem Haltepunkt Moosach und Unterschleißheim statt wie bisher 79,10 Euro durch die Reform 118,90 Euro, bzw. ganze 50,3 % mehr bezahlen. Auch Pendler zwischen Unterschleißheim und Am Hart hätten eine Preissteigerung von monatlich 28,50 Euro bzw. 31,5% zu tragen. Ebenso verteuern sich nach der vorgelegten Reform Tageskarten und die IsarCard 65.
Für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die zahlreichen Ein- und Auspendler unserer Stadt stellt dies eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung dar, die die Nutzung des ÖPNV deutlich unattraktiver machen würde. Die Kostensteigerung beruht auf der Schaffung der Zone M, deren Nutzung aber für die meisten Pendler aus bzw. nach Unterschleißheim keinen Mehrwert bei ihrem täglichen Arbeitsweg darstellt.
Nach Auskunft des Landkreises München konnte die Zuordnung von Unterschleißheim in den Bereich der M-Zone oder der künftigen Zone 1 in den Verhandlungen nicht durchgesetzt werden. Für mich und den Stadtrat ist nicht nachvollziehbar, warum S-Bahnhaltepunkte mit einer längeren Fahrzeit zur Münchner Innenstadt einer attraktiveren Tarifzone zugeordnet wurden und damit eine Ungleichbehandlung mit nicht zu vertretenden Nachteilen für die Stadt Unterschleißheim entsteht.
Die MVV-Tarifreform schadet aus meiner und aus Sicht des Unterschleißheimer Stadtrates in der vorgelegten Fassung der Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs. Sie ist für Einwohner unserer Stadt und den Wirtschaftsstandort Unterschleißheim mit 16.000 Arbeitsplätzen eine deutliche Verschlechterung. Deshalb fordert die Stadt gegenüber dem Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel sowie der Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner, die nun vorliegende MVV-Tarifreform nachdrücklich dahingehend zu verändern, dass die Haltepunkte Unterschleißheim und Lohhof in die Tarifzone M mit aufgenommen werden. Im Hinblick auf dringend erforderliche neue Verkehrs- und Mobilitätskonzepte müssen Anreize für die vermehrte Nutzung des ÖPNV im nördlichen Landkreis München geschaffen werden, um eine deutliche Entlastung für den Straßenverkehr zu erreichen. Nur mit einem attraktiven Tarifmodel für den öffentlichen Personennahverkehr kann dem massiven Problem des Individualverkehrs mit all seinen negativen Auswirkungen und Folgeerscheinungen wie Straßenlärm- und Abgasemissionen, volkswirtschaftlicher Schaden durch Zeitverluste aus Verkehrsstauungen als ein wichtiger Baustein zukunftsorientierter Mobilitätskonzepte wirksam begegnet werden. Die Preissteigerungen der nun vorliegenden Tarifreform, wie zunächst von der Verbundversammlung beschlossen, wären für diese Zielsetzung in keiner Weise förderlich.
Deshalb freue ich mich über die einstimmige Unterstützung des Stadtrates, der die Aufnahme Unterschleißheims in die Tarifzone M fordert. Der Landkreis München und der Freistaat Bayern als Mitgesellschafter des MVV müssen hier die Verhandlungen, in die die Kommunen nicht eingebunden waren, noch einmal öffnen, um eine Tarifgerechtigkeit herzustellen und den MVV tatsächlich attraktiv zu gestalten. Es muss im Interesse aller Verhandlungspartner sein, einen großen Wurf für die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen – das bisherige Ergebnis findet nicht die Zustimmung der Stadt Unterschleißheim und seiner Bürger.

Beste Grüße


Christoph Böck
Erster Bürgermeister

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